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 August 2014

 

Burundisch-deutsche Beziehungen: Highlights aus vier Jahren

Abbé Alphonse lernte ich 2010 in Bad Krotzingen bei einer Messe kennen. Ich war ganz begeistert von seiner Idee nach Burundi zu gehen und so war mein erster Besuch im Januar 2012. In der Hauptstadt Bujumbura lernte ich die Burundier, Bujumbura und Abbé Alphonses Herzensanliegen, das Projekt „ecole-mahoro“ in Kimina, kennen. Meine Begeisterung war so groß, dass ich im August desselben Jahres gleich noch einmal nach Bujumbura flog.

Deutschlandtour

Schauplatz des Geschehens: Freiburg – Heitersheim. 2013 kam Abbé Alphonse nach Deutschland, um seine während der Studienzeit geknüpften Kontakte zu erneuern und Burundi-Abende zu veranstalten. Zum Beispiel in Alpnach und Wollerau in der Schweiz, Krumbach, Basel und Neuenburg. Hier konnte ich ihn begleiten und meine persönlichen Eindrücke von Burundi erzählen. Der Zweck dieser schönen Abende war es ein wenig afrikanisches Flair nach Deutschland zu bringen und Spenden zu sammeln für seine Schule. Es gibt noch viel zu tun von Wasserversorgung über Strom durch Solaranlagen bis hin zum kürzlich begonnenen Bau einer Kirche...

 

Kimina

Mein erster Eindruck von Kimina: Der Weg ist das Ziel und der Weg nach Kimina ist steinig, sandig, staubig, holprig, man wird komplett durchgeschüttelt. (Alphonse fragte mich: Bist du schwanger? Meine Gegenfrage: Warum? Seine Erklärung: Bei dieser Fahrt könntest du das Kind verlieren...)

Am Sonntag gestaltete Alphonse in einer provisorischen Kirche die Messe. Alles war sehr einfach... Ich war sehr beeindruckt von der Interaktion der Gemeinde: Mitsingen, Tanzen, Klatschen – absolut faszinierend, einladend, man möchte mitmachen. Ganz anders als bei uns in Deutschland.

Die Menschen, die nach Kimina kommen, sind überwiegend sehr arme Leute, die in den Hügeln im Umland wohnen. Sie kommen barfuß, in bunte Tücher gekleidet, laufen mindestens eine Stunde zur Messe... Ich werde von allen mit Handschlag begrüßt, mit einer Umarmung... Sie sind mir gegenüber sehr herzlich, sehr offen.

Sie sind sehr gläubig. Viele gehen jeden Tag in die Messe und eine eigene Kirche in Kimina wäre ein großes Geschenk, ein Rückzugsort zum Beten und gemeinsamen Messe feiern. Die Sonntagsmesse ist hier ein richtiges Familienereignis. Es sind immer ganz viele Kinder jeden Alters zu sehen und zu hören.

Was mich sehr beeindruckt hat: Viele bringen als Opfergeld Früchte von ihren Feldern, ein Korb voll Karotten, Gurken, Maniok... Alles, was sie gerade entbehren können. Geld ist meistens keines vorhanden.

Es ist immer schön Abbé Alphonse in seinen Projekten zu unterstützen, damit die Freude immer weiter getragen werden kann.

 

Meine zweite Heimat: Mont Sion in Bujumbura

Mont Sion ist eines der beiden Zentren der Schönstatt-Bewegung in Burundi. Und hier fühle ich mich zwischen all den Patres und Nonnen sehr wohl und gut versorgt. In all der Zeit, die ich hier verbracht habe, bin ich so vielen verschiedenen Menschen aus aller Welt begegnet, die auf Mont Sion gewohnt oder gearbeitet haben oder sich in verschiedenen Hilfsprojekten engagierten. Ich bin sehr dankbar für all diese bereichernden Begegnungen und entstandenen Freundschaften. Verena, Daniel und Rosario aus Chile, Fabienne und Petra aus der Schweiz, Ruth aus München... ich bin ganz vielen jungen, abenteuerlustigen Menschen begegnet, die sich hier für Burundi einsetzen und eine ganz besondere Zeit erleben.

Zuhause werde ich immer wieder gefragt, was ich denn mache, wenn ich mal wieder für einige Wochen nach Burundi verschwinde. Meine Lieblingsantwort ist: Ich lebe! Fernab von Stress, Hektik und keine-Zeit-haben, geht hier ein Leben seinen Lauf, in dem man noch Zeit für ein kleines Schwätzchen hat, in dem man noch nicht nur den Nachnamen seines Nachbarn kennt und in dem jeder Fremde herzlich willkommen ist. So hatte ich die Gelegenheit im Heim für Straßenkinder „Mariya Arafasha“ (Maria hilft) mitzuarbeiten. Die Jungs gehen morgens zur Schule und nachmittags gibt es mit den Freiwilligen ein kunterbuntes Programm von gemeinsamen Spielen über Badeausflüge bis hin zum Rosenkranz basteln.

 

Außerdem hatte ich jeden Dienstag mit den Freiwilligen die Möglichkeit in ein Waisenkinderhaus der Schwestern von Kalkutta zu fahren. Dort hat man uns 25 Waisenkinder von 1 - 2,5 Jahren in die Arme gedrückt und es ist jedes Mal ein unglaubliches Gefühl ein Lächeln auf diese kleinen Gesichter zu zaubern, ein wenig Zuneigung und Geborgenheit schenken zu können... Nach einem solchen Vormittag sind wir alle immer – egal wie anstrengend es war – mit frohem Herzen und einem Lachen auf den Lippen nach Hause gefahren.

Ich habe hier eine zweite Heimat gefunden, wahre Freunde und einen Ort, an dem ich gebraucht werde. Jeder Tag ist ein Abenteuer und bringt Überraschungen mit sich. Es ist ein einfaches Leben, aber deshalb wird einem auch bewusst wie wertvoll es ist und wie glücklich man ist, wenn man den ganzen unnützen Luxus abstreift und jeden Tag so lebt wie er sich präsentiert. Ich bin frei und somit zieht's mich immer wieder nach Burundi.

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