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Die "kleine Sonne" für Afrika
von Beate Diezemann

 

Sicher können sich noch viele aus Betzenhausen-Bischofslinde an unseren ehemaligen Mitbewohner Abbé Alphonse aus Burundi/Ostafrika erinnern.

Sechs Jahre wohnte er am Bischofskreuz und war vielen durch die Kirche St. Albert, Schule, Straßenbahn oder durch andere Begegnungen bekannt.

Während des schrecklichen Bürgerkrieges in Burundi (1993-2006) wurde er mit über 20 Schußwunden an Armen und Beinen verletzt. Über 100 Splitter befinden sich noch in seinem Körper. Wegen dieser schweren Verletzung kam er auf Initiative eines deutschen Pfarrers aus Koblenz im August 1995 nach Deutschland zur weiteren Behandlung.

Dass der Aufenthalt sich dann auf 13 lange Jahre ausdehnen sollte, ahnte anfänglich niemand. Da „Kopf und Herz unverletzt blieben“ – wie Abbé Alphonse immer augenzwinkernd sagt, nutzte er die Zeit seiner körperlichen Genesung, um an der Universität in Freiburg seine Doktorarbeit in Religionspädagogik bis 2001 zu schreiben.

Eigentlich wollte er nach seiner Promotion[1] wieder zurück in seine geliebte Heimat. Da der damalige Bürgerkrieg aber weiterhin andauerte, wäre für ihn als Hutu eine Rückkehr mit erneuten Gefahren verbunden gewesen.

So nutzte er die weitere Zeit in Deutschland um sich zu habilitieren[2]. Parallel dazu baute er mit der Unterstützung Deutscher, Schweizer und Österreicher Freunden in seinem Heimatbistum die Schule „Ecole-Mahoro“ in Kimina auf. Kimina befindet sich in einer sehr armen Bergregion 16 km von Bujumbura entfernt.

Über 1.200 Schüler/innen besuchen heute die 2002 eröffnete Schule. Der Gesamtkomplex umfasst inzwischen einen Kindergarten, eine Grundschule, ein Gymnasium, eine Berufsschule, Unterkünfte für Lehrpersonal sowie ein kleines Krankenhaus.

Abbé Alphonse kehrte 2009 wieder in seine Heimat zurück und widmet seine Freizeit ganz dem Schulprojekt.

Ein großes Anliegen war und ist Abbé Alphonse immer das LICHT. Ab etwa 18.00 Uhr ist es dunkel in Burundi. Ohne eine preiswerte Lichtquelle können oft keine Hausaufgaben gemacht werden. Das wiederum wäre wichtig, da sich nach Meinung von Abbé Alphonse Afrika nur durch Bildung entwickeln kann. Bisher bleibt der Landbevölkerung nichts anderes übrig als mit Licht von Kerosinlampen abends zu arbeiten/lernen. Nicht jeder in dem armen Land kann sich das leisten. Burundi ist eines der ärmsten Länder der Welt!

Wissend um dieser Problematik fiel mir vor einigen Monaten beim stöbern in der Stadt eine kleine unscheinbare Plastikblume im Rombach-Center auf. Bei näherem Betrachten stellte ich fest, dass es sich bei dieser „kleinen Sonne“ (www.littlesun.com) um eine Solarlampe handelt. Ich dachte sofort an Alphonse und kaufte die Lampe.

Ende November 2013 kam Abbé Alphonse auf einen Blitzbesuch für einige Stunden zu uns. Dabei übergab ich ihm diese Lampe und es entwickelte sich die Idee, dass man daraus ein Hilfsprojekt für Ecole-Mahoro machen könnte. Anfang Dezember 2013 flog Abbé Alphonse mit zehn „kleinen Sonnen“ zurück nach Burundi und händigte sie einigen seiner besten Abiturienten aus. Alle in seiner Schule sind begeistert von der „kleinen Sonne“ mit der sie abends immerhin etwa drei Stunden arbeiten können.

Aufgrund dieser Begeisterung recherchierte ich im Internet und fand ein Geschäft in Bujumbura/Burundi, welches diese „kleine Sonne“ verkauft. Sofort kontaktierte ich Alphonse, um ihn zu bitten, dort vorbei zu gehen. Tatsächlich fand er sie zu einem Preis von € 8,00 (Preis in Dritte Welt Länder) anstatt € 20,00 (Preis in Euroländer/Internet).

Zwischenzeitlich haben Schüler und Schülerinnen eines Basler Gymnasiums mehrere hundert Euro gesammelt, die ihm Anfang Januar überwiesen werden. Abbé Alphonse wird hierdurch noch mehr Lehrer/Lehrerinnen und Schüler/Schülerinnen mit „kleinen Sonnen“ ausstatten können.

Die Begeisterung ist riesig und alle freuen sich, nun auch abends noch arbeiten/lesen zu können, um so noch schneller und besser ein gutes Bildungsniveau zu erreichen.

Im Herbst 2014 wird Abbé Alphonse wieder nach Freiburg kommen und will über sein Schulprojekt und die „kleine Sonne“ in Afrika berichten. Seinen Vortrag werde ich rechtzeitig ankündigen.

 Wer Abbé Alphonse unterstützen möchte, kann sich direkt auf seiner neuen Homepage www.ecole-mahoro.bi oder bei mir informieren. Ab 01.01.2014 wird Abbé Alphonse die neue Homepage direkt aus Burundi schalten und betreuen.

Alle Freunde und Förderer werden Neuigkeiten über dieses hervorragende Hilfsprojekt aktuell und aus erster Hand erfahren.

Beate Diezemann



[1] „Ibukunzi ntibwira“ (=Es wird nie Nacht bei einem wahren Freund)
 Burundische und biblische Sprichwörter über den Frieden. 2001

 [2] „Politische Alphabetisierung und Bewusstseinsbildung“ – Aufgabe kirchlicher Erwachsenenbildung in Burundi am Beispiel der Pädagogik Paulo Freires; 2008

 

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